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Schneelast berechnen: vom Bodenwert zur Last auf dem Dach und wie du sie nachmisst

Zur Schneelast gehören zwei Rechnungen. Die erste ergibt den Rechenwert für deinen Ort: Schneelast am Boden aus Zone und Geländehöhe, für ein Dach nach Norm mal einem Formbeiwert. Die zweite ergibt, was gerade wirklich auf dem Dach liegt: Gewicht einer Schneeprobe geteilt durch ihre Fläche. Für einen Pavillon vergleichst du beide Zahlen mit der Schneelast, die der Hersteller in kg/m² nennt. Eine Statik ersetzt das nicht.

von der Redaktion aktualisiert am 11. Oktober 2026 6 Min. Lesezeit

Das Wichtigste vorab

Die Schneelast auf einem Dach ergibt sich nach DIN EN 1991-1-3 aus der Schneelast am Boden mal einem Formbeiwert für die Dachform: s = μ · s_k. Den Bodenwert s_k liefern Schneelastzone und Geländehöhe, in Zone 2 mindestens 0,85 kN/m². Was tatsächlich auf dem Dach liegt, misst du, indem du eine Schneeprobe wiegst und das Gewicht durch die Fläche der Probe teilst. 1 kN/m² entspricht rund 102 kg/m².

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Zwei Rechnungen, die oft verwechselt werden

Wer „Schneelast berechnen“ sucht, meint eines von zwei Dingen:

  • Den Rechenwert. Womit muss ein Dach an meinem Ort rechnen? Das beantwortet die Norm aus Zone, Geländehöhe und Dachform.
  • Den Ist-Wert. Wie schwer ist der Schnee, der heute auf dem Dach liegt? Das beantwortet eine Waage.

Für einen Hardtop-Pavillon kommt eine dritte Zahl dazu, die du nicht berechnen kannst: die Schneelast, die der Hersteller für das Dach nennt. Sie ist die Grenze, an der du die beiden anderen misst. Wie die drei zusammenhängen, steht auf der Hauptseite Schneelast beim Pavillon.

Teil 1: der Rechenwert nach Norm

Schritt 1: Schneelast am Boden

Ausgangspunkt ist die charakteristische Schneelast am Boden, s_k. Sie hängt von der Schneelastzone und von der Geländehöhe A in Metern über dem Meeresspiegel ab. Die Norm gibt dafür je Zone eine Formel mit einem Mindestwert vor. Wir haben die Norm nicht eingesehen und geben ihre Formeln deshalb nicht wieder.

Belegt ist ein Fall: Brandenburg liegt vollständig in Schneelastzone 2, und das Bautechnische Prüfamt des Landes hält fest, dass dort wegen der Topografie immer der Mindestwert von 0,85 kN/m² maßgebend ist. In höheren Lagen steigt der Wert. Den Bodenwert für dein Grundstück nennt das Bauamt oder ein Tragwerksplaner.

Der Rechner auf der Hauptseite rechnet diesen Bodenwert nicht aus; er kennt weder Zone noch Geländehöhe. Welche Zone für deine Gemeinde gilt, zeigt die Seite Schneelastzonen in Deutschland.

Schritt 2: vom Boden aufs Dach

Auf einem Dach liegt nicht dieselbe Last wie am Boden. Die Norm berücksichtigt das mit einem Formbeiwert μ für die Dachform, dazu mit einem Umgebungs- und einem Temperaturkoeffizienten. Das Brandenburger Merkblatt fasst zusammen: Weil die beiden Koeffizienten in Deutschland mit 1,0 anzusetzen sind, vereinfacht sich die Gleichung zu

s = μ · s_k

Die Dachform beeinflusst die Schneelast auf Dächern nach dem Merkblatt erheblich. Welcher Formbeiwert für welches Dach gilt, steht in der Norm, die wir nicht im Wortlaut gelesen haben. Wir rechnen den Formbeiwert deshalb nicht ein und nennen keine Zahl dafür. Alle Werte auf dieser Website gelten für Schnee am Boden.

Schritt 3: Einheit und Bezugsfläche

Die Norm rechnet in Kilonewton je Quadratmeter, Hersteller von Pavillons in Kilogramm je Quadratmeter. 1 kN/m² entspricht rund 102 kg/m².

Wichtig ist, worauf sich der Quadratmeter bezieht. Nach dem Merkblatt ist es die Grundrissfläche des Dachs, also die Projektion der Dachfläche auf die Waagerechte, und nicht die schräge Dachhaut. Bei einem Pavillon ist das nach unserer Lesart die Fläche unter dem Dach samt Überstand.

Schritt 4: mit der Herstellerangabe vergleichen

Jetzt legst du die Schneelast deines Modells daneben. Liegt sie über dem Wert für deinen Ort, passt das Dach rechnerisch zum Standort. Liegt sie darunter oder fehlt sie, räumst du früh. Den Vergleich Schritt für Schritt führt die Seite Reicht die Schneelast für meine Zone? durch.

Teil 2: nachmessen, was wirklich auf dem Dach liegt

Aus der Schneehöhe allein lässt sich das Gewicht nicht ablesen. Das Brandenburger Merkblatt sagt es deutlich: Pulverschnee ist leichter als Nassschnee und Nassschnee leichter als Eis, bei gleicher Dicke können Dächer also unterschiedlich stark belastet sein. Faustwerte je Schneeart stehen unter Wie viele Zentimeter Schnee hält ein Hardtop-Pavillon aus? Genauer ist Wiegen.

Die Methode aus dem Merkblatt

  1. Probe ausstechen

    Mit einem Rohr, dessen Querschnitt über die Länge gleich bleibt, zum Beispiel einem Kunststoffrohr, stichst du an einer typischen Stelle einen Kern über die ganze Schnee- und Eishöhe aus, rechtwinklig zur Dachfläche.
  2. Kern wiegen

    Gewogen wird der Schnee ohne das Rohr. Lässt sich eine Eisschicht nicht durchstechen, misst du ihre Dicke und rechnest ihr Gewicht dazu.
  3. Durch die Fläche teilen

    Gewicht des Kerns in Kilogramm geteilt durch die Öffnungsfläche des Rohrs in Quadratmetern ergibt das Schneegewicht in kg/m².
  4. Bei geneigtem Dach korrigieren

    Bei geneigten Dächern wird das Ergebnis mit einem Korrekturfaktor malgenommen, bevor es mit der rechnerischen Schneelast verglichen wird.

Das Merkblatt rechnet zwei Beispiele vor, beide mit einem Rohr von 10 cm Innendurchmesser, also 0,00785 m² Öffnungsfläche:

  • Flachdach, Kern 2 kg: 2,0 kg geteilt durch 0,00785 m² ergibt 255 kg/m², im Merkblatt gleichgesetzt mit 2,55 kN/m².
  • Dach mit 35 Grad Neigung, Kern 0,70 kg: 89,2 kg/m², mal Korrekturfaktor 1,22 ergibt 108,8 kg/m², im Merkblatt 1,09 kN/m².

Die Korrekturfaktoren des Merkblatts je Dachneigung; Zwischenwerte dürfen danach linear interpoliert werden:

Dachneigung0°10°20°25°30°35°40°45°
Korrekturfaktor1,001,021,061,101,151,221,311,41

Was das für ein Pavillondach heißt

Das Merkblatt richtet sich an Eigentümer von Gebäuden und setzt voraus, dass gesicherte Personen das Dach betreten. Für einen Pavillon gilt das nicht. Palram schreibt in der Montageanleitung des Palermo 3600: „Steigen oder stehen Sie nicht auf dem Dach.“ Unsere Ableitung, als solche gekennzeichnet:

  • Nimm die Probe nur dort, wo du sie vom Boden oder von einer sicher stehenden Leiter aus erreichst, also am Dachrand.
  • Nutze ein Rohr aus Kunststoff und drück es nicht mit Kraft auf Polycarbonat-Platten oder beschichtetes Blech.
  • Am Rand liegt oft weniger oder anderer Schnee als in der Dachmitte oder in einer Verwehung. Das Ergebnis ist ein Anhaltswert.
  • Die Dachneigung deines Modells steht, wenn überhaupt, in der Anleitung. Fehlt sie, rechne ohne Abzug und plane vorsichtig.

Nach dem Merkblatt lässt sich das gemessene Schneegewicht mit der rechnerischen Schneelast vergleichen. Beim Pavillon vergleichst du es mit der Schneelast des Herstellers in kg/m².

Wann geräumt wird

Das Merkblatt rät, das Dach zu räumen, wenn die reale Schneelast die rechnerisch angesetzte erreicht oder wesentlich überschreitet, und bei Warnungen des Deutschen Wetterdienstes den Altschnee mitzudenken, der schon liegt. Geräumt werden soll abschnittsweise, sodass die Dachflächen möglichst gleichzeitig entlastet werden.

Für den Pavillon heißt das: Räume, bevor die Herstellerangabe erreicht ist. Nennt der Hersteller keine Zahl oder steht sie nur ungeprüft im Angebot, räumst du früh, solange der Schnee locker ist. Werkzeug, Reihenfolge und Sicherheit zeigt die Anleitung Schnee vom Pavillondach räumen.

Wo die Zahl des Herstellers herkommt

Die dritte Zahl bleibt die schwierigste. Für viele Modelle steht keine Schneelast im Angebot, für andere nur ein Gesamtgewicht oder ein Wert ohne Nachweis. Welche Modelle mit festem Dach für das ganze Jahr infrage kommen und was die Hersteller dazu angeben, zeigt die Kaufseite Winterfester Pavillon. Die Begriffe erklärt das Glossar.

Nachgefragt

Wie berechnet man die Schneelast auf einem Dach?

Nach DIN EN 1991-1-3 aus der charakteristischen Schneelast am Boden und einem Formbeiwert für die Dachform. Das Bautechnische Prüfamt des Landes Brandenburg gibt die Gleichung für Deutschland als s = μ · s_k wieder. Den Bodenwert liefern Zone und Geländehöhe. Den Formbeiwert und den Nachweis für ein Gebäude ermittelt ein Tragwerksplaner; wir rechnen ihn nicht ein.

Wie rechne ich kN/m² in kg/m² um?

1 kN/m² entspricht rund 102 kg/m². 0,85 kN/m² sind also rund 87 kg/m². In Merkblättern von Behörden findest du auch die gerundete Fassung, nach der 1 kN/m² für 100 kg Schnee je Quadratmeter steht. Für den Vergleich mit der Schneelast eines Pavillons spielt der Unterschied keine Rolle.

Wie viel wiegt der Schnee, der gerade auf meinem Dach liegt?

Das lässt sich nur wiegen, nicht aus der Höhe ablesen. Stich mit einem Rohr eine Probe über die ganze Schneehöhe aus, wiege sie und teile das Gewicht durch die Öffnungsfläche des Rohrs. Das Brandenburger Merkblatt rechnet vor: 2 kg aus einem Rohr mit 10 cm Innendurchmesser ergeben 255 kg/m². Steig für die Probe nie auf das Dach eines Pavillons.

Wie berechne ich die Gesamtlast auf dem Pavillondach?

Flächenlast mal Dachfläche. Die Schneelast bezieht sich nach dem Brandenburger Merkblatt auf die Grundrissfläche des Dachs, also auf seine Projektion auf die Waagerechte. Der Rechner auf unserer Seite zur Schneelast rechnet nur Schneehöhe und Schneeart in kg/m² um, eine Gesamtlast rechnet er nicht aus. Umgekehrt rechnen wir Gesamtwerte aus Angeboten nicht in kg/m² zurück, weil die Anbieter die Bezugsfläche nicht nennen.

Belege und Quellen

Weiterlesen

Aus der Redaktion

Redaktion hardtop-pavillon.de

Datenblätter, Normen und Bauordnungen – für den Garten übersetzt

Wir sind die Redaktion von hardtop-pavillon.de. Wir lesen Angebote, Datenblätter und Montageanleitungen von Pavillons mit festem Dach, rechnen Schneelasten nach der Normformel nach und schlagen die Fundstellen in den Landesbauordnungen nach.

  • Herstellerangaben mit Quelle
  • „Keine Angabe“ statt Schätzwert
  • Vergleich nach Datenblatt und Anleitung
  • Anbieterangaben im Impressum

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